Aus der Kategorie | Eurovision Song Contest (Grand Prix)
Von Marco Delgardo | 31 Oktober 2009
Seit Jahren regt man sich über das schlechte Abschneiden Deutschlands beim Grand Prix auf.
Da wird dann auf den Künstlern herumgehackt, die für Deutschland antreten oder auf die “korrupten Ostblockstaaten” geschimpft, die an allem Schuld sind.
Nach der tatsächlichen Ursache wird aber leider nicht wirklich objektiv und nüchtern gesucht !
Nachdem man nahezu Jahrzehnte lang auf Komponist und Produzent Ralph Siegel eingeprügelt hat, kriegen es jetzt halt immer die Interpreten und deren Produzenten und Komponisten ab, die für Deutschland zum Grand Prix gehen und für meine Begriffe erwartungsgemäss schlecht abschneiden.
Ich möchte hier auch noch anfügen, dass Siegel immerhin der einzige war, der für Deutschland den Grand Prix international gewonnen hat und zwar verdient: Mit einem super Song ! So auf diesen Mann einzuschlagen, wie man es in der Vergangenheit getan hat, finde ich undankbar und ungerecht !
Warum aber schneiden die Deutschen beim Eurovision Song Contest nahezu von Jahr zu Jahr schlechter ab ?
Ganz einfach, weil man mit einem Song, mit dem man den Vorentscheid in Deutschland gewinnt bzw. zwischenzeitlich -mit welchen Visionen auch immer- von einem NDR dazu aufgestellt wird international keine Chance hat.
Wer den Grand Prix all die Jahre verfolgt hat, der wird nämlich feststellen, dass -mit einigen wenigen Ausnahmen- eigentlich tatsächlich zumeist die besten Songs gewinnen. Sprich Ohrwürmer, gute Pop-Songs. Das, was in Deutschland eben leider keiner zum Vorentscheid schickt.
Warum aber schicken die Deutschen keine solchen Songs zum Grand Prix ?
Nachdem ich ja nun auch schon einige Male mit dabei war und wir ja schon den ein oder anderen Vorentscheid in verschiedenen Ländern gewonnen haben, behaupte ich einfach einmal, dass mir völlig klar ist, wieso solche “Sieger-Songs” nicht aus Deutschland kommen können.
Es geht schon einmal damit los, dass viele -dazu gehöre ich mittler Weile auch- gar keine Lust haben, für Deutschland zum Grand Prix zu gehen. Man hat nämlich, selbst wenn man für Deutschland zum internationalen Grand Prix geht, landesintern keinerlei Rückendeckung. Während eigentlich alle Nationen ihre Grand Prix Songs schon im Vorfeld in Radio und TV rauf und runter spielen, läuft ein deutscher Teilnehmer zumeist in keinem einzigen Sender ! Nicht einmal in der ARD oder gar im NDR !!!!
Das heisst, dass der NDR die Titel, die er auswählt noch nicht einmal selbst spielt !
Hinzu kommt, dass es für Leute, die beispielsweise bereits bekannt sind, einem schweren Image-Schaden zur Folge haben kann, für Deutschland zum Grand Prix zu gehen und dann am Ende die entsprechenden Prügel beziehen zu müssen. Denn frei entscheiden, mit welchem Song der Act dann loszieht, kann er ja sowieso nicht.
Weiterhin bekommt man mit international tauglichen, guten Pop-Songs in Deutschland keinen Vorentscheidungs-Sieg auf die Reihe. Es ist so ziemlich das gleiche wie im “realen Musikgeschäft” auch. Die großen, melodiösen Hits, werden zumeist nicht in Deutschland produziert und waren schon in zig anderen Ländern Hits, bevor irgend einer in Deutschland geschnallt hat, dass die Nummer funktioniert.
Ich persönlich finde das traurig und würde daher nicht auf die Künstler schimpfen, die für Deutschland zum Grand Prix fahren, sondern in erster Linie auf die, die das ausgewählt haben. Diese Auswahl findet ja leider sehr diktatorisch statt. Ich finde, das müsste man als aller erstes ändern.
Bevor sich jedoch nichts massiv bewegt und man in Deutschland auch einmal selbstbewusst einfach mit einem richtig guten Pop-Ohrwurm an den Start geht, wird ein möglicher Gewinn des Grand Prix in immer weitere Ferne rücken !
Abschliessend sei gesagt: Ich habe das Gefühl, dass die meisten Songs der anderen Nationen nicht nur einen kommerziellen Hintergrund haben. Damit meine ich, man spürt bei vielen dieser Nummern, dass sie einfach aus dem Herzen und mit Leidenschaft geschrieben und produziert wurden. Bei den Deutschen Titeln hingegen ist es immer irgendwie verkrampft und möchtegern trendig, möglichst schrill, damit Bild etwas zu schreiben hat und immer nur mit Dollarzeichen in den Augen und dem unabdingbaren Ziel um jeden Preis und egal mit welchem Niveau gewinnen zu müssen.
Während man in anderen Ländern den Grand Prix als ein leidenschaftliches Musikfest feiert, macht man in Deutschland aus dem Eurovision Song Contest ein Kasperletheater.