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Von Marco Delgardo | 22 November 2009
Relavanz ist ein Wort, das in der Musikbranche von großer Bedeutung ist.
Denn Künstler und ihre Songs müssen Relevanz besitzen, um zu funktionieren. Ansonsten sagen Print-Medien, der Rundfunk und das Fernsehen ebenso “keine Relevanz”.
“Keine Relevanz” bedeutet dann, “spielen wir nicht”, “darüber berichten wir nicht”, sprich, Produkt und Künstler sind nirgends präsent und damit haben sie schon wieder “keine Relevanz”.
Wenn die Plattenfirmen jedoch einem Act im Vorhinein schon “keine Relevanz” zusprechen, dann kommt es soweit gar nicht. Dann bleiben nämlich Künstler und Produkt mit “keiner Relevanz” in der Schublade.
Wenn sich dann aber Leute aufraffen und irgendwo versuchen, diesen Kreislauf zu durchbrechen, tun sie dies in der heutigen Zeit zumeist im Internet. “Online-Promotion” nennt sich der Spass dann, denn eines ist klar:
Plattenfirmen kucken sich heut zu Tage auch im Internet um und was dort richtig präsent und erfolgreich ist, hat definitiv höhere Chancen, eingekauft zu werden, als Produkte die im Netz auch “keine Relevanz” haben.
Da finde ich es schon ziemlich schädlich, wenn Wikipedia sich dann als Enzyklopädie bezeichnet, und anderweitig aber bereits im Vorfeld filtert, welche Künstler für Wikipedia “Relevanz” haben und welche nicht. Meiner Meinung nach müsste man nämlich möglichst jeden Begriff und jede Person, die sich in der Öffentlichkeit bewegt (wie erfolgreich sei damit einmal dahin gestellt) in einer Enzyklopädie eintragen.
Während das Verhalten von Wikipedia, dass ich immer wieder von Kollegen höre, die dort ihre Künstler eintragen wollen und damit scheitern, meines Erachtens falsch und unprofessionell ist, stehe ich mit diese Meinung ganz offensichtlich nicht alleine da.
Soeben hat nämlich eine neue Ezyklopädie eröffnet, die sich WikiBay nennt. Auch dort prangert man den von mir soeben geschilderten Sachverhalt an und beschreibt den neuen Dienst wie folgt:
“…Wikipedia ist ja eine tolle Idee, aber in der letzten Zeit, wurde diese große Enzyklopädie immer schlechter. Das finden wir zumindest. Man muss bei Wikipedia nämlich leider immer mehr beobachten, dass dort eingesetzte Moderatoren willkürlich und ohne entsprechende Sachkenntnis Einträge löschen, man mag gar sagen, zensieren. Ins Besondere dann, wenn es um Einträge von Personen geht, entsteht immer mehr der Eindruck, dass bei Wikipedia nach persönlichem Ermessen, entschieden wird, ob der Eintrag “eine Relevanz für Wikipedia hat” WikiBay meint, dass grundsätzlich jeder Eintrag, der fundiert und inhaltlich richtig ist Relevanz hat. Entscheidungen der Relevanz, treffen die Besucher einer Webseite doch für sich selbst: Da sollte man als Betreiber eines Wikis nicht schon im Vorhinein Zensur üben. Der Grundgedanke von WikiBay ist daher, eine Plattform zu schaffen, auf der eine Enzyklopädie entstehen kann, die keiner Zensur oder Vorab-Filterung unterliegt. Natürlich legen wir bei wer-ist.org auch Wert, auf Richtigkeit und Qualität der Artikel. Zensur und Meinungsmache übern wir jedoch nicht !…”.
WikiBay scheint also eine Plattform zu werden, auf der sich auch noch nicht ganz so bekannte Künstler eintragen können.
Ich persönlich finde das eine tolle Idee, daher hier der Link zu WikiBay: http://wikibay.org
Ähm, habt ihr schon Mal von MySpace gehört?
ich hoffe, du merkst, wie unausgegoren deine gedanken da oben sind, wenn du einerseits das zulassen von werbung – und nichts anderes ist das, was eben plattenfirmen oder zigtausende garagenbands auf wikipedia zu machen versuchen – forderst und auf der anderen seite meinst, wikipedia solle eine enzyklopädie sein und dabei wiederum nicht im vorhinein “filtern”, was relevanz habe.
eine enzyklopädie bildet ab und etabliert kein wissen. sprich: was anerkannt ist und was reaktionen hervorruft, wird gesammelt. nicht andersrum. wikipedia darf nicht zu einem platz für wie hier z.b. bands werden, um sich der breiten öffentlichkeit zu präsentieren. dafür sind im online-bereich myspace, die indiepedia und konsorten “zuständig”.
Wikipedia ist kein Werbejournal für die Musikindustrie. Zumal jede Band, jeder Sänger, jede Sängerin mit kommerziellem Longplayer im Wikipediasinne “relevant” ist. Wikipedia will strukturiert das Wissen der Welt sammeln – und nicht “alle Information die man irgendwo her bekommen kann”. Wer das machen will soll dies tun. Aber Wikipedia ist kein staatliches Projekt. Es gibt dort kein Recht auf einen Eintrag. Das sollte endlich mal verstanden werden.
@Thorsten: Es geht hier nicht um MySpace sondern um Wikipedia
@nixloshier: Es geht hier weder um Werbung, noch um Garagenbands. Es geht hier darum, dass Wikipedia für sich in Anspruch nimmt zu entscheiden “was anerkannt ist” (wie Du selbst schreibst) und was nicht. Wieso sollte Wikipedia das tun dürfen ?
Wer in der breiten Öffentlichkeit tätig ist, hat auch eine objektive “Relevanz” und damit dann auch einenN Anspruch in Wikipedia zu erscheinen.
Es geht hier ja auch um eine Wettbewerbsfrage: Der eine draf, der andere nicht und das entscheidet Wikipedia.
Das finde ich falsch !
@ Marcus Cyron
Zu Werbung habe ich gerade schon etwas gesagt. Darum geht es hier nicht.
Zitat: “Zumal jede Band, jeder Sänger, jede Sängerin mit kommerziellem Longplayer im Wikipediasinne “relevant” ist”.”
Wenn dem so wäre, hätte ich diesen Bericht hier nicht geschrieben. Es ist eben nicht zutreffen, was Du da behauptest.
Zitat:”Aber Wikipedia ist kein staatliches Projekt. Es gibt dort kein Recht auf einen Eintrag. Das sollte endlich mal verstanden werden.”
Ob es einen Recht auf einen Eintrag gibt, das sei einmal dahin gestellt. Dies wird von Landesrecht zu Landesrecht unterschiedlich gehandhabt, wobei die Tatsache, ob das Projekt staatlich ist oder nicht wiederrum ja nichts mit einem eventuellen Anspruch auf Eintragung zu tun hat.
Entscheidend hierbei ist die große Allgemeinrelevanz und Monopolstellung.
Im Übrigen: Erkundige Dich vielleicht einmal wem Wikipedia gehört…Dann weißt Du, wieso dort zensiert wird bis der Arzt kommt !
Wikipedia ist eben keine “freie Enzyklopädie”, sondern ein Einstrument zur Meinungsmache !
Daher habe ich es auch kritisiert !
Sehr geehrter Herr Delgardo,
Sie ja haben ja so Recht. Ich habe zwar nichts mit der Musikindustrie zu tun aber die von Ihnen kritisierten punkte habe ich auch schon oft beobachten. Ich kann Ihnen auch den Grund dafür sagen:
Wikipedia zensiert schon immer. Es gehört der Rockefellerstiftung. In den Stiftungen und Vereinen zur Steuerung Weltordnung wird Meinung gemacht und mit entschieden, was der Mainstream zu verbreiten hat. Wikipedia ist nur eines der Werkzeuge der wirklichen Führer der Macht.
Entschuldigung, aber Sie haben das Prinzip der Wikipedia nicht verstanden. Es handelt sich dort um kein frei bearbeitbares Werk. Ohne redaktionelle Kontrolle lässt sich nämlich kein enzyklopädie-ähnliches Projekt führen. Es ist wahr dass die deutsche Wikipedia im Moment stark in der Kritik steht, relevante Inhalte zu löschen oder zu zensieren. Die Löschung unbekannter Personen und Künstler aus der Enzyklopädie kritisiert ist aber unumstritten.
Sich selbst für relevant zu halten, verehrter Herr Delgardo, reicht leider nicht für Relevanz im Sinne einer Enzyklopädie aus. Was Sie von der Wikipedia (die Ihnen nichts schuldig ist) fordern, ist kostenlose Werbung. Dafür gibt es andere Plattformen, und davon nicht zu wenige. Facebook, MySpace, Twitter. *Dort* werden sich Besucher wundern, wenn ein Künstler nicht erwähnt ist. Die Wikipedia ist genauso wenig ein Künstlerverzeichnis wie der Bertelsmann oder Meyers. Wenn sich Plattenfirmen auf Wikipedia über (unbekannte) Künstler zu informieren versuchen, dann ist denen wohl ohnehin nicht mehr zu helfen.
Um das Löschen von Inhalten zu vermeiden, die auf Wikipedia ihren Platz haben sollen, gibt es dort Löschdiskussionen. Nichts wird entfernt bevor nicht weitere Meinungen eingeholt werden. Sprechen sich dort Personen gegen das Entfernen eines Artikels aus weil sie ihn für relevant halten, wird er nicht gelöscht. Dass es nicht ausreicht wenn der Artikel-Verfasser als einziger die Löschung anfechtet, kann nur einen logischen Ausweg haben. Niemand hat einen “Anspruch” darauf in Wikipedia zu erscheinen, schon gar nicht zur “Online-Promotion”. WikiBay kritisiert einen anderen Punkt, und zwar die undurchsichtigen Relevanz- und Qualitätskriterien sachlicher Artikel. Eigenwerbung wird jedoch, würde ich erwarten, wohl auch dort gelöscht werden, sonst wird das Projekt schon bald im Müll versinken und seine Chance verspielt haben.
@Daniel
Es geht hier nicht um “unbekannte Künstler” oder “Hinterhof-Bands”. Ich könnte -werde es aber jetzt aus Kollegialität nicht tun- mindestens 20 Beispiele von Künstlerlöschungen bei Wikipedia geben, die völlig absurd sind, weil die Künstler alle internationale Charterfolge verbuchen können.
Wer Personen des öffentlichen Lebens (keine No-Names) in einem öffentlichen, monopoliserten Portal wie der Wikipedia in “Relevanz” einteilt, der teilt Menschen in “Relevanz” ein.
Es wird also Leuten, die objektive “Relevanz” besitzen und sich diese hart erarbeitet haben, diese “Relevanz” als “Marktrelevanz” strittig gemacht. Im Beamtendeutsch würde man das dann degradiert nennen !
Die Arroganz und das Niveau mit der bei Wikipedia zu Tage gegangen wird, zeigen sich auch deutlich in der dortigen Art zu diskutieren (Beispiel hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia_Diskussion:Kurier#Bescherung_.2F_WikiBay ) und ganz ehrlich: Leute, die so argumentieren, schreiben und Diskussionen führen, brauchen sich meiner Meinung nach über die “Relevanz” anderer keine Gedanken machen bzw. wenn sie es doch tun ist es nur noch lachhaft !